Print is dead? Warum Plakatdesign wichtig bleibt.
Meine Motivation, Grafikerin zu werden, wurde durch eine Freundin geweckt. Sie hat ihre Lehre ein Jahr vor mir angefangen, und ich bewunderte ständig ihre coolen Schulprojekte. Was sie dort lernte, hat mich enorm interessiert – vor allem Printdesign. Darum war ich sehr enttäuscht, als der ganze Lehrplan im Bereich «Grafik» geändert wurde.Is Print dead?
Plakatdesign aus der Schweiz ist seit über hundert Jahren berühmt. Der charakteristische Stil wurde unter dem Namen «Swiss Style» weltbekannt und ist bis heute einflussreich. Ideale Voraussetzungen, das zu lernen und anzuwenden. Dachte ich zumindest. Dann am ersten Schultag unerwartete News: Design und Geschichte des Plakats fallen komplett aus dem Lehrplan – die ganzen vier Jahre. Wir sind dafür die Testklasse. Für mich ergibt das keinen Sinn: Plakate sind das A und O in der Grafik, und auch die digitalen Geschwister basieren schlussendlich auf dem klassischen Plakatdesign. Mit dem Argument «Print stirbt aus» all das ganz abzuschaffen, finde ich falsch. Schliesslich sind Drucksachen wie Flyer, Booklets oder sonstige Corporate-Publishing-Formate weiterhin Teil unseres Agenturalltags.
Print und Plakat wurde grösstenteils ersetzt durch Animation. Meine Meinung dazu: Hätte ich animieren wollen, wäre ich wohl kaum Grafikerin geworden. Zudem haben viele Lehrpersonen selbst wenig Ahnung von Animation, und können bei Fragen oder Problemen nicht weiterhelfen. Natürlich machen auch Projekte zum Thema Animation manchmal Spass und wir lernen neue Programme kennen. Aber man hätte dies alles kombinieren oder neu aufteilen können, anstatt das Plakatdesign komplett zu streichen.
Es gibt jedoch ein Happy End: Unsere Lehrpersonen, die meisten davon auch unzufrieden mit dieser Änderung im Plan, schmuggeln ab und zu mal eine Stunde Plakatgeschichte ein. Für eine Spezialwoche haben sie uns sogar einen Auftrag für künstlerische Risoprints organisiert. Solch leidenschaftliche Ausbildende, die sich einsetzen und einen grossen Aufwand treiben, sind nicht selbstverständlich. Weitere tolle Angebote bietet die Schule über verschiedene Freikurse, bei denen man traditionelle Drucktechniken kennenlernen und ausprobieren kann. Dafür bin ich sehr dankbar, und so macht die Lehre trotz der krassen Änderung immer noch Spass.
Warum analoges und digitales Arbeiten auch im Agenturalltag zusammengehören, kannst du hier lesen.
Das Plakat soll aus dem öffentlichen Raum in Zürich verschwinden. Wir haben eine klare Haltung dazu.
